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Das sollten Sie lesen!!!
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Leo Kaplan
Winter, Leon de
Leo Kaplan hat kein kleines Problem. Obschon verheiratet mit der schönen Hannah, treibt es ihn immer mal wieder zu einem Seitensprung, diesmal in die Arme einer jungen Studentin, die den berühmten Schriftsteller glühend verehrt. Was sie nicht ahnt: seit 30 Monaten leidet Kaplan nun schon an einer quälenden Schreibblockade. Kaum hat er den Ort des Techtelmechtels verlassen, wird er auf der Straße vom Freund der Studentin heftigst malträtiert. Dem Gehörnten glücklich entronnen, wünscht er nichts sehnlicher, als in die Arme seiner Frau sinken zu dürfen, doch zu Hause überrascht ihn Hannah mit der Nachricht, dass sie seit Monaten einen anderen liebt und Kaplan sich eine neue Bleibe suchen soll. Leo Kaplan hat kein kleines Problem.
In seinem meisterlich gewobenen, monumentalen Sittengemälde führt uns Leon de Winter -- zum Schreien komisch, zum Heulen traurig -- durch ein Kuriositätenkabinett heutiger Existenzen und ihrer Befindlichkeiten. Kaplans Freundeskreis ist ein einziges Tollhaus voller Sinnsucher, Sexsüchtiger, Sushi-Fresser und Naturschwärmer im Versace-Look. Am Beispiel seiner ersten Frau, Evelien, früher hochpolitisch, heute Jesus dienend und Regenwaldschützerin, spürt der Schriftsteller die tiefe Verzweiflung hinter all diesen Masken. In diesem Moment der Reinheit denkt Kaplan an Ellen de Waal zurück, seine erste große Liebe. Siebzehn Jahre hat er sie nicht gesehen, nun fühlt er, dass sie seine Rettung sein könnte.
Inmitten irrlichternder Zeitgeistgespenster lässt de Winter seinen Protagonisten immer wieder an den großen Fragen herumkauen. Welcher Ungeist ihn stets zu anderen Frauen treibt, obwohl er doch eigentlich kaum liebesfähig ist. Warum alles auseinander bricht und ob dies womöglich ein literarisches Thema ist. Das ist es -- und Gott sei dank hat Leon de Winter keine Schreibhemmung. Beißend ironisch, sexgeladen, dabei erzklug in der Tradition Irvings und Updikes, gehört Leo Kaplan zum politisch Unkorrektesten, aber Wahrhaftigsten, das Literatur derzeit zu bieten hat. --Ravi Unger
Kurzbeschreibung Der Schriftsteller Leo Kaplan, fast vierzig, fast Millionär, ist ein Virtuose des Ehebruchs: Bis es seiner Ehefrau Hannah zu bunt wird. Kaplan muß erkennen, dass er durch seine Liebeseskapaden nicht nur seine Ehe, sondern auch seine Kreativität verspielt hat. Erst als er überraschend seine große Jugendliebe wiedertrifft, beginnt er zu verstehen, wie er zu dem wurde, der er heute ist. Ein bewegender Roman über die Sehnsucht und die Suche nach den eigenen Wurzeln. Lesen Sie mehr
Autorenportrait Leon de Winter wurde 1954 in 's-Hertogenbosch als Sohn niederländischer Juden geboren und begann als Teenager, nach dem Tod seines Vaters, zu schreiben. Er arbeitet seit 1976 als freier Schriftsteller und Filmemacher in Holland und den Vereinigten Staaten. Einige seiner Romane wurden für Kino und Fernsehen verfilmt, so z.B. "Der Himmel von Hollywood" unter der Regie von Sönke Wortmann.
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Diogenes Verlag AG, ISBN: 3-257-23317-5, 544 Seiten |
11,90 EUR |
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Frau Sartoris
Elke Schmitter
Frau Sartoris führt das Leben vieler Frauen: eingesperrt zwischen Kindererziehung, einkaufen, Mahlzeiten auf den Tisch stellen, hin und wieder ein geselliger Vereinsabend mit Ehemann Ernst. Das war's.
Für die Abwechslung in ihrem Dasein sind die Männer zuständig. Ihre erste große Liebe endet unglücklich und in ihrer Verletzung gibt sie Ernst ihr Ja-Wort. Der Sparkassenangestellte mit dem sicheren Job ist überglücklich; dem Traum vom Reihenhaus im Grünen und dem alljährlichen Urlaub im Süden steht nichts mehr im Weg. Bis sie einen kleinen Schritt vom Spießerpfad zum Glück abkommt. Der Leiter des Kulturamts ist die Ursache dafür. Die beiden beginnen eine leidenschaftliche Affäre, doch für Michael ist es nur eine unter vielen.
Der erste Roman Elke Schmitters überzeugt auf der ganzen Linie. Die Schilderung des normalen Familienlebens, stinklangweilig, vorhersehbar und lauwarm, ist grandios. Für eine gute Geschichte ist das natürlich zu wenig. Gut verteilt streut die Journalistin kleine Halbsätze und Abschnitte ein, die die Brüchigkeit des Alltags andeuten. Immer mehr verdichtet sich für den Leser die Gewissheit, im Leben der Frau Sartoris gibt es einen Toten, hat ein Autounfall mit Fahrerflucht stattgefunden, wahrscheinlich sogar ein Mord. --Manuela Haselberger
Hamburger Abendblatt Ordnung sucht Chaos
NZZ Ein sehr konzentrierter, klug gebauter Text.
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Berliner Taschenbuch Verlag, ISBN: 3-442-76029-1, 158 Seiten |
7,90 EUR |
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Früh am Morgen beginnt die Nacht
Lamb, Wally
Stellen Sie sich vor, Sie wären ein 40-jähriger, grausam gepeinigter und emotional unnahbarer Anstreicher, dessen eineiiger Zwilling paranoid-schizophren ist und an öffentliche Selbstverstümmelung glaubt. Sie wären entweder Gast in der "Jerry Springer Show" -- oder Dominick Birdsey, der Antiheld, Erzähler und Anziehungspunkt für schlechte Schwingungen von Früh am Morgen beginnt die Nacht. Irgendwo in den Nischen dieses 912-seitigen, dicken Wälzers lauert die ehrliche, bewegende Geschichte von der Suche, der Verleugnung und der Selbstakzeptanz eines Mannes. Dies ist keine einfache Aufgabe, wenn man bedenkt, daß die Erziehungsmethoden seines Großvaters von der SS zu stammen schienen und seine Großmutter möglicherweise eine jugendliche Mörderin war, sein Stiefvater ein latenter Sadist ist und sein Bruder Thomas ein politisch-motivierter Psychopath. Dominick ist nicht der Typ, der mit der Tradition brechen würde, und so setzt er dieses gestörte Vermächtnis u.a. mit Vergewaltigung, einer gescheiterten Ehe, einem Nervenzusammenbruch, plötzlichem Kindstod, einem Autounfall und einer rassistischen Verschwörung gegen einen Kollegen fort -- um nur ein paar aufzuzählen.
Lambs Buch ist ein ziemlicher Sprung im Vergleich zu seinem von Oprah Winfrey gesegneten Bestseller She's Come Undone -- es wandert außerhalb der Grenzen des streng definierten Wartesaalromans und durchläuft einen detaillierten, ordentlich katalogisierten Bericht über jegliche Art der Familientravestie und des persönlichen Versagens, die ein Mensch ertragen kann. In seinem Kern liegt Freuds "Rückkehr des Verdrängten": Je mehr wir versuchen, das, was wir sind, zu verleugnen, desto mehr werden wir zu dem, was wir fürchten. Lamb überträgt Freuds psychologische Abstraktion auf das Alltagsleben und füllt seinen Roman mit zärtlichen, glaubwürdigen Dialogen und nachdenklicher Beobachtung. --Rebekah Warren
Kurzbeschreibung Seit seiner Kindheit kümmert sich Dominick Birdsey um seinen Zwillingsbruder Thomas, der unter Schizophrenie leidet. Unterdessen ist sein eigenes Leben in die Brüche gegangen: Seine Frau hat ihn verlassen, er hat seinen Job verloren und seine Mutter ist gestorben, ohne ihm mitgeteilt zu haben, wer sein leiblicher Vater ist. Als Thomas nun die endgültige Verbannung in eine geschlossene Anstalt droht, unternimmt Dominick den verzweifelten Versuch, ihn davor zu bewahren.
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List bei Ullstein TB, ISBN: 3-548-60062-x, 1008 Seiten |
10,95 EUR |
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Das Vaterspiel
Haslinger, Josef
Fünf Jahre nach seinem großen Erfolg mit dem Roman "Opernball", der begeistert aufgenommen und auch verfilmt worden war, erscheint von Josef Haslinger (Jg. 1955) sein zweites großes Erzählwerk. Es ist wieder ein Österreich-Roman, aber die Perspektive ist dieses Mal eine größere. Es geht nicht nur wie im "Opernball" um Österreichs politische Alltagswirklichkeit, sondern auch - ganz aktuell - um die Schatten der Vergangenheit, die die Alpenrepublik jetzt häufiger heimsuchen.
Protagonist des Romans ist der 35jährige Rupert Kramer - beruflich ein Versager -, der nächtelang vor dem Computer dilettiert und und aus Abneigung und Hass gegenüber seinem
Vater ein ominöses "Vatervernichtungsspiel" entwirft. Der Vater, der seinen erfolglosen Sohn verachtet, ihn aber trotzdem finanziell aushält, ist ein typischer Vertreter der österreichischen Proporzdemokratie, er hat sich in der SPÖ emporgedient und es bis zum Verkehrsminister gebracht. Seine Welt ist die des politischen und wirtschaftlichen Erfolgs, auch wenn dieser durch Opportunismus oder Korruption erreicht wird. Er glaubt, dass sein Sohn vor dem Computer verblöde und verstärkt damit bewusst oder unbewusst dessen Minderwertigkeitskomplexe.
Ruperts berufliche Erfolglosigkeit korrespondiert mit seiner Erfolglosigkeit gegenüber Frauen, Annäherungsversuche enden meist mit einer persönlichen Niederlage. Und doch ist es eine Jugendliebe, durch die sein Leben eine entscheidende Wendung nimmt. Mimi, die er seit 14 Jahren nicht mehr gesehen hat und die in New York eine erfolgreiche Journalistin ist, lädt ihn nach Amerika ein, weil sie seine Hilfe braucht.
Parallel dazu wird die Geschichte einer jüdischen Familie in Litauen erzählt, die während des Zweiten Weltkriegs - bis auf den Sohn - von deutschen und litauischen Nazis ausgerottet wird. Die Schilderung der Verfolgung der Juden im Baltikum gehört zu intensivsten und eindringlichsten Passagen des Buches. Nach dem Krieg verfolgt der Sohn die Spur des Mörders seines Vaters, der sich in New York seit 32 Jahren in einem Keller versteckt hält, um nicht entdeckt zum werden.
Hier nun verknüpf Haslinger die beiden Handlungsstränge: der gesuchte litauische Nazi ist Mimis Großonkel und Rupert soll ihr - in aller Heimlichkeit - behilflich sein, dessen trostloses Versteck wohnlicher zu machen.
Der Autor hat in diesem Roman drei Motive miteinander verwoben: ein Vater-Sohn-Beziehungsdrama, die Tragödie einer jüdischen Familie in Litauen und die Frage nach Schuld, Rache und Vergebung. Es ist kein Zufall, dass Haslinger Litauen ausgewählt hat, denn die Parallelen sind überdeutlich: wie Österreich ist es ein kleines Land, das seine Mitschuld und Mitbeteiligung am Holocaust ebenso verdrängt wie die Alpenrepublik und mit dieser Vergangenheit nichts mehr zu tun haben will.
Die einzelnen Ereignisse sind nicht linear und kontinuierlich erzählt, und obwohl der Leser gelegentlich den roten Faden verliert und die Verknüpfung beider Geschichten etwas konstruiert wirkt, ist das Buch keine schwierige Lektüre, weil es sonst keine stilistischen Hürden gibt und ganz flott, stellenweise sogar spannend geschrieben ist. Das "Vaterspiel" gehört eindeutig zu den wichtigsten Neuerscheinungen der deutschsprachigen Literatur in diesem Herbst.
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Fischer Taschenbuch Verlag, ISBN: 3-596-15257-7, 573 Seiten |
10,90 EUR |
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Muschelstrand
Hermanson, Marie
Eine magische Geschichte von drei Frauen, deren Leben anders verläuft als erwartet. "Von zwei Perspektiven her, von Ulrikas Danach und Kristinas Jetzt, entwickelt sich so eine detektivische Erzählung, voller Spannung, Zauber, aber auch nüchterner Rationalität. Eine sehr kluge, elegante und tiefe Geschichte." BRIGITTE
Marie Hermanson, geb. 1956, hat zunächst als Journalistin gearbeitet, debütierte dann mit einer Sammlung von Geschichten, der drei Romane folgten. 2002 erschien im Suhrkamp Verlag der Roman 'Die Schmetterlingsfrau'. |
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Suhrkamp TB Verlag, ISBN: 3-518-39890-3, 299 Seiten |
10,- EUR |
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